Taufkerze selbst gestalten – ganz individuell und günstig

Wer auf der Suche nach einer schönen Taufkerze ist, merkt schnell: Qualität, aber auch Individualität haben ihren Preis. Bei Plattformen wie Etsy bewegen sich die Preise meist zwischen 25 und 100 Euro. Wenn das Design für 25 Euro exakt den eigenen Geschmack trifft – perfekt. Wenn nicht, kann es schnell teuer werden.

Vor genau diesem Problem stand ich auch. Hinzu kam: Viele der angebotenen Kerzen waren zwar personalisierbar, aber eben nicht vollständig individuell. Wir wollten z.B. unbedingt ein florales Motiv mit ganz bestimmten Blumen. Auf Etsy kann man zwar oft zwischen vorgegebenen Farben oder Standardmotiven wählen, aber ein Design, das wirklich zum eigenen Kind, einem Motto, dem Namen oder dem gewählten Taufspruch passt, sucht man oft vergeblich.

Die Lösung? Selbst basteln und von Grund auf individualisieren. Und ich kann euch schon jetzt verraten: Der (geringe) Aufwand lohnt sich. Das gekaufte Material kostet weniger als 25 Euro und reicht noch für weitere Bastelprojekte. Grundvoraussetzung ist ein Tintenstrahldrucker. Wenn ihr einen Laserdrucker habt, müsst ihr

Auf einen Blick: Die Kurzanleitung

Für alle, die direkt loslegen wollen, ist hier die Kurzfassung des gesamten Projekts:

  • Schritt 1: Kerzenrohling besorgen (z.B. bei Rossmann, 4 € oder bei Müller für 9 €).
  • Schritt 2: Einzigartiges Motiv entwerfen, z.B. mit der kostenlosen Basisversion von Canva
  • Schritt 3: Motiv in bester Qualität auf Wasserschiebefolie drucken und 1 Stunde trocknen lassen, z.B. von TransOurDream 10 Blatt für 5 € für den Tintenstrahldrucker und für 20 Blatt zu 12 € für den Laserdrucker.
  • Schritt 4 (nur für Tintenstrahldrucker): Das gedruckte Motiv mit Acryl-Klarlack-Spray zweimal im Abstand von 2–3 Stunden kreuzweise versiegeln (z.B. von Edding, 6-7 €)
  • Schritt 5: Motiv grob und abgerundet ausschneiden, 20–30 Sekunden ins Wasser legen, auf der Kerze positionieren und das Trägerpapier dadrunter wegschieben. Luftblasen vorsichtig ausstreichen. Trocknen lassen.
    Optional: Gegen hochwallende Ränder (trat bei mir nicht auf) und für einen glatteren Übergang von Motiv zu Kerze mit Kerzenglanzlack und einem breiten weichen Pinsel dünn bestreichen (z.B. von Glorax, ca. 5 €)

Die ausführliche Anleitung

Schritt 1: Der passende Kerzenrohling

Bevor es an das Design geht, braucht ihr die richtige Basis. Grundsätzlich gibt es zwei gängige Arten von Taufkerzen: die langen und schmalen Kerzen (meist in den Maßen 40 x 4 cm) und die moderneren, etwas kürzeren und dafür dickeren Varianten. Falls ihr euch für die lange, schmale Variante entscheidet, könnt ihr diese ggf. auch noch für eine später anstehende Kommunion verwenden. Die günstigste Variante habe ich bei Müller (Rayer, Stabkerze, 40/4) gefunden und kostet 9€. Zur Qualität kann ich euch allerdings nichts sagen, da es diese Variante nicht in meiner Müller-Filiale gibt.

Kerzen in der Rossmann-Filiale, 25 cm für 3,99 und 27 cm für 5,79, Stand Juni 2026

Ich habe mich aber aus optischen Gründen für die kürzere, dickere Version mit einer Höhe von 25 cm und einem Durchmesser von 8 cm entschieden – und zwar in Reinweiß. Champagnerfarbene Rohlinge sind selbstverständlich ebenso schön, allerdings kam mein sehr buntes Motiv auf dem strahlenden Weiß einfach besser zur Geltung.

Ich habe meinen Rohling im Fachgeschäft für 18 € gekauft und erst im Nachhinein festgestellt, dass es deutlich günstiger geht. Bei Rossmann gibt es beispielsweise eine Kerze (Rubin Licht) mit genau den gleichen Maßen und ebenfalls in Reinweiß, die qualitativ für mein Laienauge absolut gleichwertig aussieht, aber nur etwa 4 € kostet. Schaut also ruhig erst in der Drogerie vorbei!

Schritt 2: Das Motiv erstellen mit Canva und (in meinem Fall) Midjourney

Mein eigentliches Kerzenmotiv habe ich mit der KI Midjourney generiert. Midjourney ist ein leistungsstarkes KI-Tool, das aus einfachen Textbeschreibungen in Sekundenschnelle faszinierende Bilder und Grafiken in beeindruckender Qualität erstellt. Um das Tool flexibel für ein Projekt zu nutzen, reicht das kleinste, monatlich kündbare Abo (der „Basic Plan“) für 10 US-Dollar (ca. 9–10 €) vollkommen aus. Ich habe mein Abo nach zwei Monaten wieder gekündigt und es bis dahin für eine Reihe von Projekten in Kombination mit der Wasserschiebefolie genutzt (mit Fotomotiv bedruckte Kachel, Geburtstagskarte für meinen Mann, Untersetzer mit Gipspulver und Kork).

Sobald das Motiv meinen Wünschen entspacht, kam Canva ins Spiel. Canva ist ein intuitiv bedienbares Online-Grafikwerkzeug, das in der Basisversion kostenlos ist. Hier habe ich mein fertiges Midjourney-Bild hochgeladen, um den Feinschliff vorzunehmen und den Namen sowie den Taufspruch in einer schönen Schriftart zu ergänzen.

Unser Motiv mit einem geänderten Namen

Ihr könnt Midjourney auch einfach überspringen und direkt in Canva nach passenden Elementen und Motiven suchen. Die Stichwortsuche wird euch unendlich viele Möglichkeiten bieten. Das Tolle an Canva ist, dass die Basisversion wirklich so kompetent ist und ein Upgrade auf die Bezahlversion, meiner Meinung nach, nicht nötig ist.

Ein wichtiger Praxistipp für den Druck: Damit das Motiv später auf der Wachskerze richtig gut zur Geltung kommt und nicht blass wirkt, solltet ihr die Farben vor dem Export verstärken. Geht dazu in Canva auf das Motiv, klickt auf Bearbeiten -> Anpassen und schraubt die Werte für Sättigung und Lebendigkeit ein gutes Stück nach oben. Wenn ihr unser Motiv mit dem Foto der fertigen Taufkerze unten vergleicht, seht ihr, dass das Motiv ausgedruckt und aufgetragen etwas an Intensität einbüßt.

Schritt 3: Drucken und Versiegeln

Wenn euer Design fertig abgespeichert ist, geht es an den Druck. Bevor ihr loslegt, solltet ihr unbedingt eure Druckeinstellungen überprüfen:

  • Farbintensität: Auf „Lebhaft“ stellen.
  • Trocknung: Auf „Langsam trocknend“ einstellen, damit die Tinte sauber aufgetragen wird.
  • Qualität: Wählt die Stufe „Beste“. Je nach Motiv kann auch die Option „Fotodruck“ hervorragende Ergebnisse liefern – probiert hier im Zweifel aus, was bei eurem Design am besten wirkt.

Wenn ihr nicht wisst, welche Druckeinstellungen die besten sind oder wo ihr die Änderungen vornehmt, hilft eine Anfrage an die KI eures Vertrauens unter Angabe eures Druckermodells. So habe ich es auch gemacht, um ehrlich zu sein.

Legt nun die Wasserschiebefolie exakt nach Anleitung in euren Drucker und startet den Druckprozess. Nach dem Drucken muss das Papier mindestens eine Stunde absolut unberührt trocknen.

Wenn ihr einen Laserdrucker nutzt, könnt ihr direkt mit Schritt 4 fortfahren.

Wenn ihr einen Tintenstrahldrucker nutzt, muss das Motiv als nächstes fixiert werden – ohne diesen Schutz würde die Tinte im Wasser sofort verlaufen. Schnappt euch das transparente Acryl-Klarlack-Spray und sprüht damit ein paar Mal kreuzweise und gleichmäßig über das Motiv. Lasst das Ganze erneut trocknen und wiederholt den Sprühvorgang nach 2 bis 3 Stunden ein zweites Mal. Wichtiger Tipp: Macht das unbedingt draußen auf dem Balkon oder im Garten, da der Lack ganz schön streng riecht!

Schritt 4: Das Motiv aufbringen

Nachdem alles vollständig durchgetrocknet ist, schneidet ihr das Motiv aus. Hierbei müsst ihr nicht millimetergenau an der Kante entlanggehen – schneidet lieber großflächig aus. Wichtig ist vor allem: Vermeidet spitze Winkel oder zackige Kanten. Setzt stattdessen auf sanfte Rundungen, da sich spitze Ecken später auf der Kerze viel leichter unschön hochknibbeln.

Legt das ausgeschnittene Motiv nun für ca. 20 bis 30 Sekunden in eine flache Schale mit Wasser, bis das Trägerpapier wirklich gut durchnässt ist.

Positioniert das feuchte Papier nun direkt auf der weißen Kerze. Schiebt das weiße Trägerpapier vorsichtig unter der dünnen Motivfolie weg, während ihr die Folie gleichzeitig sanft an die Kerze drückt. Sitzt das Motiv am richtigen Platz, nehmt ihr ein weiches Küchentuch und streicht damit ganz vorsichtig eventuelle Luftblasen und überschüssiges Wasser von der Mitte zum Rand hin aus. Wenn ihr die Kerze ein paar mal gegen das Licht haltet und hin und her dreht, seht ihr sehr gut, wo noch kleine Lufteinschlüsse sind. Seid vorsichtig, dass ihr nicht zu viel Druck auf die Folie ausübt. Diese kann sonst reißen. Nun muss die Kerze nur noch in Ruhe trocknen – fertig ist euer absolutes Unikat!

So sah das finale Ergebnis in der Kirche aus; Name unkenntlich gemacht

Optional:
Den Kerzenglanzlack habe ich selbst zwar bestellt, aber für unnötig erachtet, da man die Ränder meiner Folie eigentlich gar nicht gesehen hat. Solltet ihr aber aus Gründen eine andersfarbige Kerze oder farbiges Transferpapier (ja, das gibt es auch, schaut einfach mal unter dem oben ergänzten Amazon-Link) nutzen, wäre das vielleicht noch eine Option. Der Kerzenglanzlack soll das Motiv auch noch einmal haltbarer machen. Das lohnt sich sicherlich dann, wenn man beispielsweise eine Kommunionskerze gestaltet, die von dem Kommunionskind auch viel angefasst wird. Dann schützt der Kerzenglanzlack das Motiv zusätzlich. Unsere Taufkerze hingegen stand die meiste Zeit rum 😉

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