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Schon in der Schwangerschaft fing es an: Ich habe Bücher gewälzt und Nährwerttabellen studiert. Ich wollte vorbereitet sein. Eine der Folgen, die mich damals besonders getriggert haben, war die Episode vom Podcast Sounds Familiar mit Dr. Judith Schaus. Wer mal reinhören will: Hier geht’s zur Folge.
Das Gespräch klang so fundiert, dass ich mir direkt das Buch von Frau Dr. Schaus gekauft habe. Mein Fazit? Die Nährwerte werden für Laien verständlich vorgestellt und mit viel Expertise in ihren Kombinationen besprochen. Deswegen ist das Buch auch eher ein Top, als ein Flop. Dennoch ergibt sich für mich nach der Lektüre und Dr. Schaus‘ Beitrag in dem Podcast ein fettes ABER:
Das Buch suggeriert eine Perfektion, die im echten Leben mit einem Baby schlicht nicht existiert. Es vermittelt das Gefühl, Nährwerte seien wie ein Excel-Sheet perfekt planbar und man hätte die volle Kontrolle darüber, was im Kind landet. Die Rezepte am Ende? Nett, aber eben auch sehr „Dinkeldörte“.
Die Realität bei uns zu Hause: Meine Tochter verweigert aktuell tapfer alles, worauf sie gerade keine Lust hat. Da hilft auch das wissenschaftlich fundierteste Rezept nichts. Sicherlich sagen weder das Buch noch Frau Dr. Schaus explizit, dass man versagt, wenn es nicht perfekt läuft – aber der Druck baut sich zwischen den Zeilen massiv auf.
Plötzlich glaubst du, du müsstest sündhaft teures Algenöl aus Süddeutschland bestellen, weil es nicht zu verabreichen quasi eine Kindeswohlgefährdung wäre. Im Podcast schwingt bei Dr. Schaus für mich zudem ein Beigeschmack mit: Man kann ihre Absicht, in der Zukunft eventuell selbst an der Herstellung von Supplements wirtschaftlich beteiligt zu sein, durchaus heraushören. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?!
Mein Learning: Ich nutze das Buch jetzt als Info-Quelle für Nährwerte, schalte aber auf Durchzug, sobald mir jemand Supplements für Kleinkinder verkaufen will – besonders, wenn die Person finanziell davon profitiert.
Meine 4 Regeln für mehr Gelassenheit
Die Realität hat mich gelehrt: Es kommt aufs Kind an. Seit ich lockerer lasse, läuft es zwar nicht unbedingt besser am Esstisch, aber mein mental load ist weniger und ich bin beim Füttern entspannter. Hier ist mein aktueller Fahrplan:
- Vielfalt ohne Zwang: Ich biete viel an. Wenn sie den Mund nicht aufmacht, oder zwei Wochen lang nur Möhre will, ist das okay. Sie verhungert nicht – ich stille ja auch noch. Gelassenheit ist hier die wichtigste Zutat.
- Allergene früh einführen: Ich mische regelmäßig eine Messerspitze Haselnuss-, Erdnuss-, Mandel- oder Cashewmus in den Abendbrei. Warum? Damit das Immunsystem die Stoffe über die Verdauung kennenlernt. Erst danach gab es Mandelöl für die Hautpflege. Wenn der Körper Allergene zuerst über eine (vielleicht gestörte) Hautbarriere statt über den Magen trifft, steigt das Allergierisiko. Das Gleiche mache ich übrigens mit einer Prise Mehl für das Thema Gluten. Diesen Tipp habe ich von unserem Kinderarzt erhalten.
- Omega-3 ohne Fisch-Stress: Ich quäle mich nicht mehr damit, Fisch anzubieten, den sie am Ende vielleicht gar nicht mag. Ein halber Teelöffel Rapsöl im Mittagsbrei tut es auch und liefert wertvolle Fettsäuren.
- Gläschen sind okay! Ich koche nicht mehr alles selbst. Ein Gläschen dient oft als Basis, und ich ergänze es mit frisch gekochtem oder eingefrorenem Gemüse. Unterwegs gibt es auch mal „nur“ Gläschen. Punkt.
Mein absoluter Geheimtipp: Das FKE Bochum
Wenn ich wirklich mal Zweifel habe, rufe ich beim Forschungsdepartment Kinderernährung (FKE) am Universitätsklinikum der Uni Bochum an. Das ist wissenschaftsbasiert, kostenlos und wahnsinnig freundlich. Die Beraterin dort hat mit vielen Irrtümern aufgeräumt (Spoiler: Fischgläschen enthalten oft viel weniger Omega 3 als man denkt – Rapsöl ist die bessere Wahl!) und mir konkret bei meinen Problemen weitergeholfen. Ein echter Traum für alle Eltern, die echte Fakten statt Verkaufsmaschen suchen.
Kontakt FKE Beratungstelefon: Sprechstunde: Montags von 9:00 bis 13:00 Uhr Telefon: 0234 / 509-2649
Natürlich könnt ihr auch den Kinderarzt oder die Hebamme zu diesen Punkten konsultieren. Allerdings wag ich zu behaupten, dass die Telefonberatung wissenschaftlich eher auf dem neuesten Stand ist und sich wahrscheinlich auch mehr Zeit für euch nehmen kann.
Wie ist das bei euch? Seid ihr im Team „Dinkeldörte“ oder eher Team „Hauptsache das Kind ist satt“? Schreibt es mir in die Kommentare!
